Montag, 28. Dezember 2009

Analyse der Proteste vom 27.12.

Zusammenfassung:
  • NiteOwl kann Proteste aus folgenden Städten sicher bestätigen: Tehran, Mashhad, Tabriz, Shiraz, Isfahan, Ardebil, Babol, Qom und Najafabad. Das sind die größten Städte Irans.
  • Über die Anzahl der Demonstranten kann noch nichts genaues gesagt werden. In Teheran waren mit Sicherheit mehrere zehntausend Demonstranten auf der Straße, in Shiraz waren es etwa 20.000
  • In Teheran wurden mindestens 15 Demonstranten erschossen, unter ihnen Mussawis Neffe Sayyed Ali Mousavi, dessen Leichnam von Sicherheitskräften aus dem Leichenschauhaus entwendet wurde. Auch aus Tabriz werden mehrere Todesopfer gemeldet.
  • Über 500 Menschen wurden verhaftet.

Die Berichte von Protesten aus Städten mit roter Markierung sind sicher bestätigt, Proteste aus Städten mit grüner Markierung konnten bisher nicht mit Sicherheit bestätigt werden.

Quelle: Summary Update on Ashura Protests (Dec 27) by Nite Owl

Sonntag, 27. Dezember 2009

Ashura

Heute kam es zumindest in folgenden Städten zu Protesten: Tehran, Shiraz, Isfahan, Tabriz, Mashhad, Babol, Ardabil, Qom und Najafabad.

Teheran:
  • Demonstranten versammelten sich in großer Anzahl, die während stundenlanger Straßenschlachten weiter zunahm
  • erstmals wurden Sicherheitskräfte von Demonstranten massiv angegriffen
  • in großen Teilen Teherans mussten die Sicherheitskräfte sich zurückziehen
  • mindestens 5 Demonstranten wurden erschossen
  • Basij griffen Demonstranten mit Messern an
  • Spezialeinheiten verweigerten Schießbefehl




Quelle:

Twitter und NiteOwl's Live-Blog: http://www.dailyniteowl.com/wordpress/index.php/2009/12/27/live-blogging-ashura-protests-in-iran/

Samstag, 26. Dezember 2009

Tasua: neue Proteste

Heute gab es wieder größere Proteste. Im Moment kursieren viele Gerüchte und unbestätigte Meldungen, sicher ist jedoch folgendes:
  • es kam in mehreren Städten zu Protesten
  • die Demonstranten riefen unter anderem "Dies ist der Monat des Blutes - Khamenei wird gestürzt werden" (wir sind am Anfang des Trauermonats Moharram und des Ashura-Festes, Höhepunkt des shiitischen Märtyrerkultes)
  • in Teheran gelang es den Sicherheitskräften nicht auf Anhieb, die Demonstranten zu zerstreuen
  • bisher sind keine Todesopfer zu beklagen
  • nachdem Revolutionsgarden eine Statue auf dem Mohseni-Platz entfernten, die Zahra Rahnavard, Mussawis Ehefrau, erstellt hatte, wurde dieser Platz von Demonstranten kurzerhand in Rahnavard-Platz umbenannt

Dienstag, 22. Dezember 2009

Zusammenfassung: Massenprotest in Qom nach Montazeris Tod

  • Zum Begräbnis von Großayatollah Montazeri in Qom am Montag versammelten sich 500.000 - 1 Million Menschen, darunter Oppositionsführer wie Mussawi und Karrubi, Geistliche, Aktivisten und Studenten
  • Die Trauerfeier wurde innerhalb kürzester Zeit zu einer unkontrollierbaren Protestkundgebung gegen das Regime
  • Ein derart ausdrucksstarker Massenprotest war seit Anfang Juli nicht mehr möglich gewesen
Ausführlicher Bericht von NiteOwl:

Veröffentlicht auf „The Daily Nite Owl“ am 21. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.dailyniteowl.com/wordpress/index.php/2009/12/21/full-report-of-montazeris-funeral-in-qom/
Autor: Josh Shahryar
Deutsche Übersetzung: Julia, http://englishtogerman.wordpress.com/2009/12/21/vollstandiger-bericht-uber-montazeris-begrabnis-in-qom/


Großayatollah Hossein-Ali Montazeri ist am Montag in Qom beigesetzt worden. Sein Begräbnis wurde von Menschenmassen begleitet, die so groß waren wie die Proteste im Juni. Und dies, obwohl die Regierung versucht hatte, Straßen zu blockieren und strikte Anweisungen an die regierungseigenen Medien gegeben hatte, über das Begräbnis nichts zu veröffentlichen.

Innerhalb von Stunden nach Bekanntwerden seines Todes waren die Menschen nach Qom geströmt, darunter auch Oppositionsführer, politische Aktivisten, Studenten und einfache Leute. Einige waren mit ihren Familien gekommen. Die Fernstraßen, die von Teheran nach Qom führen, waren wegen des Verkehrs am Vortag stundenlang gesperrt.

Es folgt eine Aufschlüsselung der wichtigsten Fakten des Tages:

Die Anzahl der Menschen
Verschiedene Medien berichteten über verschiedene Zahlen. Es gab abweichende Augenzeugenberichte, und die Videos auf Youtube waren nicht so zahlreich. Was jedoch mit Sicherheit gesagt werden kann ist, dass mindestens 500.000 Menschen in Qom waren, höchstens knapp eine Million.

Die Stimmung
Obwohl die meisten gekommen waren, um zu trauern, entwickelte sich aus der Trauer sehr bald ein massiver Protest gegen die Regierung. Die Menschen trugen schwarz und grün und hielten riesige Bilder von Montazeri. Parolen waren „Allah-u Akbar“, „Tod dem Diktator“, „Wir wollen diese Regierung nicht“, und es gab deutliche Parolen gegen Khamenei.

Die Menschenmenge rief ihre Parolen stundenlang, selbst nachdem Montazeris Sohn Ahmed Montazeri sie gebeten hatte, keine politischen Parolen zu rufen. Die Menschen riefen auch „Montazeri, Montazeri, Glückwunsch zu deiner Freiheit“.

Das Begräbnis entwickelte sich also letztlich in einen Protest der Grünen Bewegung, wie man ihn seit Anfang Juli nicht mehr gesehen hat.

Teilnahme seitens der Reformer
Sowohl Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi reisten nach Qom, um dem verstorbenen Führer ihren letzten Respekt zu erweisen. Ebenfalls anwesend waren Hojjatol-Islam Mohsen Rehami, Hojjatol-Islam Mousavi Lari, Abdullah Noori, Emaduddin Baghi, Mohammad Reza Khatami, Eng. Alveri, Amir Arjmand, Mahmood Rasekh und Vertreter von Hashemi Rafsanjani und Mohammad Khatami.

Andere Reformer, die teilnehmen, waren u. a. Ali Akbar Mohtashami, Hadi Ghaffari, Mustafa Moein, Ashrafi Isfahani, Masjid Jame’i und Gholamhossein Karbaschi.

Bilder von anwesenden prominenten Reformern: http://yoldash.ir/post-3032.aspx

Teilnahme seitens der Geistlichkeit;
Die meisten der Geistlichen, die Khamenei und Ahmadinejad nahestehen, nahmen nicht teil. Einige hochrangige Geistliche wie Javad-Amoli konnten wegen ihres hohen Alters nicht teilnehmen. Zugegen waren jedoch Ayatollah Sane’i, Ayatollah Mousavi Khoyeniha, Ayatollah Amini, Ayatollah Bejnordi, Ayatollah Taheri Isfahani, Sayed Hassan Khomeini und Ayatollah Shabiri Zanjani – der auch die Gebete für die Beisetzung leitete.

Es gab Nachrichten über die Teilnahme von Khameneis Bruder Hadi Khamenei an der Begräbnisprozession, allerdings gibt es noch keine Bilder. Es gibt jedoch Bilder von Ayatollah Sane’i mit verweinten Augen. Montazeri und Sane’i waren eng befreundet.

Gewalt:
Um die Menschenmassen zu kontrollieren, waren Sicherheitskräfte von anderen Städten nach Qom gebracht worden. Der Masoumeh-Schrein, wo Montazeri schließlich bestattet wurde, stand unter schwerer Bewachung, und die Türen blieben der Öffentlichkeit verschlossen. Die Menschen versammelten sich vor dem Schrein und vor Montazeris Haus.

Es gab mehrere Berichte über Zusammenstöße zwischen Basijis bzw. Zivilpolizisten und den Demonstranten nach Ende der Begräbnisprozession. Es gibt keine bestätigten Berichte über die Anzahl von Verletzten, Zeugen sprechen jedoch davon, mehrere Dutzend Menschen mit leichten Verletzungen gesehen zu haben.

Erwähnenswert ist, dass die Polizei versuchte, die Zivilpolizisten von der Menge fernzuhalten. Es gab Berichte über Tränengaseinsatz gegen die Menge, aber ich konnte diese Berichte [nicht?] verifizieren. Es wurde auch berichtet, dass Basijis ein Bild von Montazeri zerrissen und versuchten, die Demonstranten zu provozieren, doch die Zusammenstöße eskalierten nicht.

Angriffe auf führende Reformer:
Es gab Berichte, dass die Basijis versuchten, Karroubi zu schlagen, aber die Menge soll ihn gegen die Angriffe abgeschirmt haben. Nach dem Ende des Begräbnisses wurde Moussavis Entourage von Zivilpolizisten belästigt. Es wurde Jagd auf sein Auto gemacht, und einer seiner Begleiter wurde verletzt, nachdem Zivilpolizisten ein Seitenfenster des Autos zerschlugen, in dem er unterwegs war. Er selbst erlitt keine Verletzungen. Auch ein Zivilpolizist wurde bei dem Angriff verletzt.

Danach:
Gegen Ende des Tages waren die Parolen der Menschenmenge gegen die Regierung derart laut, dass eine für später in der Imam Hassan-Moschee in Qom angesetzte Trauerzeremonie abgesagt werden musste. Mehrere Personen wurden auf ihrem Weg nach Qom verhaftet, darunter auch Shiva Nazarahari, Mahnaz Mohammadi, Mahboubeh Abasgholi und Kohyar Godarzi. Nazarahari war erst vor Kurzem freigekommen, nachdem sie wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit den Protesten mehrere Monate im Gefängnis verbracht hatte.

(Freundliche Erinnerung: Wie bei allen Nachrichten aus Iran dieser Tage gilt, dass ich die Daten aktualisieren werde. Dies sind die Fakten, über die ich im Moment fast absolute Sicherheit habe.)

Montag, 14. Dezember 2009

Green Brief #76 (13. Dezember 2009 – 22. Azar 1388)

Quelle: http://www.dailyniteowl.com/wordpress/index.php/2009/12/14/the-green-brief-76-december-13-azar-22/


Deutsche Übersetzung: Julia, http://seaofgreengermany.wordpress.com/2009/12/13/green-brief-76-13-dezember-2009-%E2%80%93-22-azar-1388/

Proteste/Unruhen
1. Wieder haben Proteste Iran erschüttert. Im gesamten Land fanden auch nach dem 16. Azar (7. Dezember) Studentenproteste statt. Es konnte nicht sofort bestätigt werden, in wie vielen Städten es Demonstrationen gegeben hatte, es gab aber glaubwürdige Berichte über Demonstrationen in Teheran, Mashhad, Shiraz, Tabriz, Qazvin, Zahedan und Kashan.

Teheran

Es gab Demonstrationen an folgenden Universitäten: Teheran-Universität, Shahid Beheshti Universität, Azzahra Universität, Khaje-Nasir Toosi Universität. Es gab auch Berichte über Proteste in anderen Städten, die nicht sofort bestätigt werden konnten. Auch in anderen Teilen Teherans gab es Proteste. Zusammenstöße wurden von der Teheran-Universität und der Shahid-Beheshti-Universität berichtet, es gab jedoch keine Berichte darüber, wie viele Personen von Sicherheitskräften verhaftet oder wie viele verletzt wurden.

An der Teheran-Universität schlossen sich auch mehrere Professoren den Studenten an. Einige Studenten trugen Bilder von Imam Khomeini, um Gerüchte zu widerlegen, dass Studenten bei Protesten vor wenigen Tagen Bilder von Khomeini verbrannt hätten.

Es ist erwähnenswert, dass Teheran schwer bewacht wird. In mehreren Stadtteilen gibt es ein großes Sicherheitsaufgebot, die Teheran-Universität und andere höhere Bildungseinrichtungen werden streng überwacht. Auch Basijis hielten heute eine kleine Demonstration in Teheran ab, bei der sie Fotos von Khomeini trugen. Im Vergleich mit den Demonstrationen der Grünen Bewegung war der Protest der Basijis klein, es nahmen mehrere Dutzend teil.

Bilder von der Teheran-Universität, auf denen die Zahlen und die Bilder von Khomeini zu erkennen sind:
http://bit.ly/5zxJZx

Videso von der Khaje Nasir Universität: http://bit.ly/5jTalz

Tabriz
Hunderte von Studenten versammelten sich in der Universität Sahand. Die Studenten sammelten sich, nachdem Basijis die Universität betreten hatten in der Hoffnung, die Studenten mit Anschuldigungen einschüchtern zu können, dass die Grüne Bewegung Imam Khomeinis Bild entweiht hätte. Die Studenten trugen grüne Armbänder und riefen „Allah-o Akbar“ und andere Parolen.

Mashhad
In Mashhad versammelten sich die Studenten in der Khayyam-Universität, riefen „Allah-o Akbar“ und andere Parolen zur Unterstützung der Grünen Bewegung.

Shiraz
In der Universität Shiraz versammelten sich Studenten mit Plakaten und Bildern von Imam Khomeini.
Video: http://tinyurl.com/ycxzgel

Qazvin
Eine große Anzahl versammelten sich in Qazvin und riefen „Der [Wahl-]Betrüger hat auch das Bild [von Imam Khomeini] zerrissen.“
Video: http://www.youtube.com/watch?v=QUopyBNJ2Lg

Kashan
Hunderte von Grünen Studenten versammelten sich auch in der Kashan-Universität. Sie trugen grüne Banner und Bilder von Imam Khomeini. Berichte über Gewaltausbrüche konnten nicht sofort bestätigt werden.

Zahedan
Es gab eine Demonstration in der Universität Sistan-o Balochistan, allerdings konnten Details nicht verifiziert werden.

Babol
Auch in der Universität Babol gab es Proteste.

2. Wieder schallten „Allah-o Akbar“-Rufe durch die Nacht
Video: http://bit.ly/87gKf4 (man beachte, wie sich immer mehr Stimmen dem einsamen Rufer anschließen)

3. Basijis veranstalteten heute ein kleines Sit-in am Imam-Khomeini-Schrein.

4. Berichte aus Teheran lassen vermuten, dass ab Montag der Internetzugang eingeschränkt oder unterbrochen wird.

5. Die deutsche Regierung hat Untersuchengen gegen die Firma Siemens eingeleitet, die Technologie an Iran geliefert hat, mit deren Hilfe reformorientierte Webseiten zensiert und Demonstranten inhaftiert wurden. Mehr dazu im nächsten Green Brief.

Hier eine detaillierte Karte, der man entnehmen kann, wo bestätigte Proteste stattfanden:

Opposition
6. Eine der offiziellen Webseiten aus dem Umfeld von Moussavis Kampagne, Kalameh News, hat heute diesen Brief veröffentlicht:
“Nach dem geplanten Szenario um die Entweihung von Imam Khomeini und den Bezichtigungen gegen die Grüne Bewegung und die Studenten, mit denen diesen die Schuld dafür gegeben wurde, führen seit gestern Ahmadinejad-treue Medien eine heftige Propagandakampagne unter einer heimlichen Agenda. Die verfügbaren Informationen erwecken den Anschein, als bereiteten sie ein härteres Vorgehen vor. Allen Unterstützern der Grünen Bewegung wird nachdrücklich empfohlen, extrem wachsam zu sein und sich immer mit den aktuellsten Informationen zu versorgen.
Wegen der für die Menschen extrem eingeschränkten Informationslage empfiehlt Moussavis offizielle Webseite Kalemeh anderen Medien, ihre Nutzer über die Notwendigkeit erhöhter Aufmerksamkeit hinzuweisen.“

Es gibt auch Berichte, dass die Regierung sich möglicherweise darauf vorbereitet hat, Moussavi und möglicherweise Karroubi vor den Demonstrationen zu Muharram zu verhaften, die in wenigen Tagen beginnen. Moussavis Kampagne hat bereits angekündigt, im Falle seiner oder der Verhaftung eines anderen hochrangigen Führers der Grünen Bewegung die Demonstrationen fortzusetzen.

7. Khatami hat heute erklärt, dass die Grüne Bewegung Imam Khomeini respektiere und sein Bild nicht von Anhängern der Grünen Bewegung entweiht worden sei. Er fügte hinzu, dass die Proteste die islamische Verantwortung des Volkes seien, und die Regierung müsse auf die Forderungen der Menschen hören. Er fügte hinzu, das iranische Volk sei für immer entschlossen, Freiheit zu unterstützen und sich Unterdrückung und Diktatur zu widersetzen.

8. Die Vereinigung Streitbarer Geistlicher – eine Gruppe von Geistlichen, die den Reformern wohlgesonnen sind – hat die Regierung aufgefordert, ihnen die Erlaubnis zu einer Demonstration zu erteilen. Die Demonstration soll sich gegen die Entweihung des Bildes von Imam Khomeini richten.

9. Akbar Hashemi Rafsanjani hat heute ebenfalls die Entweihung von Imam Khomeinis Bild verurteilt. Vor dem Hintergrund der fortgesetzten Opposition gegen ihn und die Kampagne innerhalb Irans, die auf eine Diskreditierung seiner Verdienste abzielt, hatte er bereits zuvor gesagt, dass er bleiben würde, wenn das Volk dies wünsche, und gehen würde, wenn das Volk ihn dazu auffordern würde.
Gegenwärtig haben die staatlichen Medien Order, für Rafsanjani den Titel Hojjatoleslam anstatt Ayatollah zu verwenden, was einen niedrigeren Rang bedeutet. Da er zwei offizielle Positionen im Staat einnimmt, wurden die staatlichen Medien zu der Verwendung des rangniedrigeren Titels angehalten.

10. Großayatollah Sanei hat sich heute bestürzt über die Entweihung des Bildes von Imam Khomeini am 7. Dezember gezeigt. Er warf den Unterdrückern vor, diesen Akt inszeniert zu haben, um die Studenten aufzubringen. Er äußerte sich außerdem besorgt über die Gewalt, mit der gegen die Studenten vorgegangen werde und sagte, mit Gewalt könne nichts erreicht werden.

11. Ayatollah Bayat Zanjani hat ebenfalls ein Statement veröffentlicht, in dem er die Entweihung von Imam Khomeinis Bild verurteilt. Allerdings sagte er auch, die Medien sollten für die Ausstrahlung der Bilder und die dadurch entstandene Provokation der Gefühle der Menschen noch stärker verurteilt werden. Er wies Vermutungen zurück, dass die Studenten den Akt begangen haben könnten und sagte, die Studenten hätten Khomeinis Ideen immer verteidigt. Er beschuldigte „gewisse Leute“, jetzt falsche Tränen über die Entweihung des Bildes zu vergießen, gleichzeitig aber Khomeinis Familie schlecht zu behandeln.

12. Die Versammlung der Gelehrten und Forscher des Priesterseminars in Qom hat ebenfalls die staatlichen Medien angeklagt, die Emotionen des Volkes gegen die Studenten gelenkt zu haben. Die Versammlung warf IRIB vor, neues Videomaterial zu zeigen, das die Studentenproteste in einem negativen Licht zeigt, um ihr Image zu beschädigen. Weiter heißt es, die Studentendemonstrationen seien ordnungsgemäß und friedlich verlaufen, und die Menschen sollten den Medien ihre Propaganda nicht abnehmen.

13. Auch Ayatollah Dastegheyb hat heute die Entweihung von Khomeinis Bild verurteilt. Er wies Behauptungen zurück, dass Moussavi oder seine Anhänger für diesen Akt verantwortlich seien. Dastegheyb sagte, er habe alle Schriften und Reden Moussavis studiert und habe kein einziges Wort gefunden, das den Lehren Imam Khomeinis widerspricht. Er verurteilte nochmals die Verhaftung und Folter von Gefangenen und die Gewalt gegen Demonstranten.

14. Das Büro der Organisation zur Bewahrung und Veröffentlichung von Imam Khomeinis Schriften und Lehren hat ebenfalls heftige Kritik an IRIB für die provokative Ausstrahlung der Bilder geübt, die die Entweihung von Imam Khomeinis Bild zeigen.

15. Zahra Rahnavard ist heute nochmals angegriffen, als sie auf dem Weg zu ihrem Auto in der Visal Avenue in Teheran war. Ihre Angreifer sprühten ihr Pfefferspray ins Gesicht. Sie konnte vorübergehend nichts mehr sehen. Die Angreifer verschwanden, als Ladenbesitzer Frau Rahnavard zur Hilfe kamen. Dies ist bereits das dritte Mal innerhalb einer Woche, dass sie auf diese Weise angegriffen wurde.

Regierung/Internationales
16. OF Khamenei hat heute bekannt gegeben, dass die Grüne Bewegung Gesetze gebrochen und sich respektlos gegenüber Imam Khomeini gezeigt habe. Er fügte hinzu, man werde jetzt hart gegen sie vorgehen und sie zerstören. Weiter beschuldigte er die Führung der Grünen Bewegung, von Kommunisten, Monarchisten und dem Ausland unterstützt zu werden. Er forderte die Grüne Bewegung auf, die Proteste umgehend einzustellen und beschuldigte die Führung der Grünen Bewegung, mit ihrem Handeln die Entweihung des Bildes von Imam Khomeini verursacht zu haben.
In einem überraschenden Zug behauptete er zudem, Moussavi und Karroubi seien frühere Freunde von ihm.

17. 232 Mitglieder des Parlaments haben heute in einem von ihnen unterzeichneten Brief an die Justiz die Entweihung des Bildes von Imam Khomeini verurteilt und die Führung der Grünen Bewegung beschuldigt, den Akt initiiert zu haben. Sie forderten die Justiz zu strengem Vorgehen gegen die Verantwortlichen auf. Erwähnenswert ist, dass einige reformorientierte Parlamentsmitglieder die Authentizität der Videos in Zweifel ziehen, die die Entweihung des Bildes zeigen.

18. Der Hardliner-Geistliche Hojjatoleslam Jafar Shojouni hat die Regierung heute zu sofortigen und harten Maßnahmen gegen die Entweihung des Bildes von Imam Khomeini aufgefordert. Er sagte, wenn Khamenei die Erlaubnis dazu gebe, müsse die Oppositionsbewegung zerrissen werden.

19. Die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) haben heute die Bestrafung derer gefordert, die hinter der Entweihung stecken. „Die Anhänger Khomeinis werden weder Zögern noch Schweigen dulden, wenn es darum geht, die Verantwortlichen für diesen empörenden Akt, der ohne Zweifel von ausländischen Think-Tanks und internen Verschwöreren ausging, ausfindig zu machen, sie vor Gericht zu stellen und umgehend zu bestrafen“, heißt es einem Bericht von AFP zufolge in dem Statement der Garden.

20. Mahmoud Ahmadinejad hat heute zum wiederholten Male seine Unterstützung für die palästinensische Terrorgruppe Hamas geäußert. Der Führer der Gruppe, Khaled Masha’al, befindet sich zu einem Besuch in Teheran. Ahmadinejad traf sich außerdem mit Justizchef Sadegh Larijani und dessen Bruder, dem Parlamentssprecher Ali Larijani.

Verhaftet/Freigelassen/Getötet/Gefoltert
21. Es gibt Berichte über neue Verhaftungen. Die Verhafteten sind der Journalist Payam Jahangiri und der Reporter Ehsan Badaghi. Bisher sind laut BBC-Quellen mindestens fünf Menschen zum Tode verurteilt worden, 81 sind im Zusammenhang mit den Protesten zu langen Haftstrafen verurteilt worden.

22. Die Studenten der Teheran-Universität Reza Yari, Reza Rahimi und Ali Tasmini sind heute freigelassen worden.

23. Der Prozess gegen 7 führende Bahais ist nochmals auf den 12. Januar vertagt worden. Die Angeklagten befinden sich nunmehr seit mehr als einem Jahr in Haft, und ein Ende ihres Leidens ist nicht in Sicht.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Ein Brief an Khamenei; Ein Gedicht für Majid Tavakoli

Dieses berührende Gedicht gibt es bisher nur im englischen Original:

Quelle: A Letter to Khamenei; An Ode to Majid Tavakoli

by Josh Shahryar

An picture released by Iranian protesters for protests during Moharram that reads, "Ya Hossein" - symbolically remembering Hossein's stand against tyranny

An image released by Iranian protesters for protests during Moharram that reads, "Ya Hossein" - symbolically remembering Hossein's stand against tyranny

Every now and then, you get an individual elevated to the rank of fuhrer, president-for-life or supreme leader that baffles you with his ignorance of history and logic. These men – let’s hope no woman ever sinks this low; more power to you, ladies – are so caught up in their own grandeur that they deny what’s right in front of them. They act as if they are somehow exempt from the laws that govern the universe and that they can bend them at will. You are one such example, Sayyed Ali Khamenei.

I am sure our great ancestor Imam Hossein would be ashamed to see you use our ancestry as a tool to brutalize the people of Iran. He died for the rights of the oppressed at the hands of Yazid. I’m glad he’s not alive to see you following on Yazid’s footsteps. People like you are the reason I don’t use the word ‘Sayyed’ which marks our ancestry before my name. For even though I share the same blood, I am shamed by cousins like you who have used that blood to enrich themselves instead of addressing the plight of the poor and the miserable.

I have been upset for days now since your goons picked up Majid Tavakoli on December 7 after he denounced your tyranny. They forced him to wear women’s clothing so that he would be shamed in front of the public. You portrayed him as a coward to beat up the drum of your own arrogance and vanity. But did you read what he wrote before he went to give that speech?

“Only two more days (to 16 Azar). I have spent ten exhausting days on the road with more than 100 hours of driving and now I have to leave for Tehran. Looking at my mother’s tearful eyes and father’s anxious glances and despite all the difficulties only the true wish for freedom can maintain my drive and steadfastness. And so once again I welcome and accept all the dangers, standing next to my friends with whom I am honored and proud to be on 16 Azar shoulder to shoulder we will shout against tyranny. For Freedom.”

You see, Khamenei, this is not a man who is afraid of you. Au contraire, you are afraid of HIM. But you are not afraid of him because of who he is. He is but a human being. He does not have laser vision to fry you with. He does not have super strength to crush your skull. He does not have an army to raze your palaces to the ground. You are afraid of him because he speaks the truth. And you are not the first to be afraid of the truth.

I’m not sure you took any history in school. You would have seen that all attempts to silence Mahatma Gandhi, Nelson Mandela, Rev. Martin Luther King Jr. and our very own ancestor, Imam Hossein’s voice of truth was a monumental failure. Some truth-sayers died defending the innocent and the oppressed. Others spent decades in dark prison holes. But even after centuries, truth remains.

In a few days, the people of Iran would come out to the streets and mourn Imam Hossein’s death and celebrate his courage on the blistering sands of Karbala on the 10th of Moharram. Not because he was the grandson of the prophet, but because he stood for truth. And guess who they’ll denounce; those who tried to silence him. Don’t you see, he may have died, but truth did not. Surely ignorant minds like yours would assume that by killing him, his oppressors were victorious. After all, they massacred his entire family and friends.

Ah, but wait. Truth is not a person. It is a concept. It is immortal. You cannot imprison it. You cannot torture it. You cannot put it on trial. And you certainly cannot kill it. You’re not the first to try this. Others have already failed – all of them.

This is what surprises me about all supreme leaders, fuhrers and presidents-for-life. How could someone as ignorant as yourself who does not understand this simple fact ever gets to be the Supreme Leader of a nation that has so irrevocably embraced this golden rule? Etch it on your frontal lobe, Khamenei; the universal rule that truth shall always triumph will not break simply because you want it to.

Majid Tavakoli and the people of Iran understand this. That is why they are out on the streets demanding justice, knowing full well that you will have no mercy upon them while they’re at it. You know who they remind me of? Take a wild guess. The man happened to be our ancestor after all. These brave men and women are the true descendants of Imam Hossein. They may not have his blood, but they have embraced his life and his love for truth. Now Majid Tavakoli is someone Imam Hossein would be proud of if he were alive.

You, Khamenei, have drained your body of the sacred blood of that great man. Instead, you have received a transfusion of Yazid’s ideals. And when the time comes when you are not Supreme Leader anymore – the day for which I have been longing -, history will not mention your name as a descendant of Imam Hossein – but as a bastard child of Yazid. It’s already happening.

Humbled by the courage of Iranians,

Josh Shahryar

Heute kam es zumindest an folgenden Universitäten zu Protesten: Kashan, Ghazvin, Khajeh Nasir, Al Zahra und Tehran University.

An der Teheran University hielten Basij eine Kundgebung für die Regierung ab. Es sieht so aus, als ob der klägliche Versuch der Regierung, den Eindruck zu erwecken, dass die Bevölkerung sich gegen die Opposition erhebe, tausende Studenten an verschiedenen Universitäten Irans zu einem unerwarteten und nicht geplanten Protesttag veranlasst hätte.

Hier NiteOwls praktischer Beitrag zur theoretisierenden Diskussion um die angebliche Verbrennung von Khomeini-Bildern: Why is Burning Khomeini’s Picture a Crime?